Es ist ein Thema, über das kaum jemand spricht — obwohl es viele betrifft. Die Periode bleibt aus, man ist froh darüber, schiebt es auf Stress oder Sport, und macht weiter. Was dabei passiert, und welche langfristigen Folgen ein dauerhaft ausbleibender Zyklus haben kann, ist erschreckend wenig bekannt.
Die erschreckende Zahl
der befragten Sportlerinnen gaben in einem britischen Health Report an, ausbleibende Menstruation erlebt zu haben.
Und die meisten empfanden es als kein Problem — manche sogar als Vorteil. Das ist das Gegenteil der Wahrheit.
Warum die Periode ausbleibt
Die häufigsten Ursachen sind nicht mysteriös — sie sind oft die Kombination aus zu wenig Essen und zu viel Training:
Der Körper braucht Energie für den Zyklus. Wer zu wenig isst — besonders zu wenig Kohlenhydrate, Fette oder Proteine — gibt dem Körper das Signal: Reproduktion ist gerade nicht möglich.
Vor allem Ausdauersportlerinnen, die über lange Zeit intensiv trainieren, ohne ausreichend zu essen, setzen den Körper unter einen hormonellen Ausnahmezustand.
Schnelle Gewichtsabnahme — ob durch Diät, Fasten oder Erkrankung — kann den Zyklus sofort stören oder ganz unterbrechen.
Dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel konkurriert mit den Geschlechtshormonen. Das Gehirn setzt dann keine ausreichenden Signale für den Eisprung.
Schlaf reguliert maßgeblich den Hormonhaushalt. Chronischer Schlafmangel kann die Ausschüttung von LH und FSH — den Hormonen für den Eisprung — stören.
Eisenmangel, Zinkmangel, Vitamin-D-Mangel — all das kann den Zyklus destabilisieren. Eine ausreichende Versorgung ist Grundvoraussetzung für einen gesunden Zyklus.
„Es war tatsächlich die Ernährung. Mein Körper hat einfach zu wenig Energie abbekommen — und das hat sich direkt auf den Zyklus ausgewirkt."
— Simone ReuthalWas passiert, wenn man lange nichts tut
Ohne ausreichend Östrogen — das nur bei einem funktionierenden Zyklus produziert wird — nimmt die Knochendichte ab. Langfristig steigt das Risiko für Stressfrakturen und Osteoporose erheblich.
Wer über Jahre keinen Eisprung hatte, kann bei einem späteren Kinderwunsch auf ernsthafte Probleme stoßen. Viele Athletinnen merken das erst, wenn es zu spät ist.
Hormonelle Ungleichgewichte durch fehlenden Zyklus können zu Depressionen, Ängsten und anhaltenden Stimmungsschwankungen führen.
Die Schilddrüse und der Gesamtstoffwechsel hängen eng mit dem Hormonhaushalt zusammen. Fehlende Sexualhormone können zu Gewichtsschwankungen und chronischer Erschöpfung führen.
Östrogenmangel macht Bänder und Sehnen weniger belastbar. Im Sport steigt damit das Verletzungsrisiko — ausgerechnet bei Athletinnen, die ohnehin viel trainieren.
Was wirklich hilft
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen reguliert sich der Zyklus wieder, wenn man die Ursachen angeht. Das bedeutet in der Praxis vor allem: ausreichend essen. Alle drei Makronährstoffe — Kohlenhydrate, Proteine, Fette — in ausreichender Menge. Genug Schlaf. Das Trainingspensum überprüfen. Und bei anhaltenden Unregelmäßigkeiten: zur Frauenärztin.
Wann zur Ärztin? Wenn die Menstruation länger als drei Monate ausbleibt und eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist, sollte eine gynäkologische Untersuchung stattfinden. Zyklusunregelmäßigkeiten über mehrere Monate sind ebenfalls ein Anlass für ein Gespräch mit der Frauenärztin — besonders wenn gleichzeitig intensiv trainiert wird oder eine restriktive Ernährung vorliegt.
„Genügend Schlaf, eine richtige Ernährung — das klingt banal. Aber wenn ihr eurem Körper die Energie raubt, wirkt sich das irgendwann aus. Das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann."
— Verena RoscherFolge 21 jetzt anhören
Ausbleibende Menstruation — Ursachen, Folgen und was man tun kann